Der für viele Gärten typische unbedeckte, "nackte" Boden ist in der Natur kaum anzutreffen. Im Wald zum Beispiel schützen entweder Moose, Farne, Gräser und Kräuter oder das Laub der Gehölze den Boden. In dieser Streuschicht leben zahllose Tiere und Pilze, die für den Abbau des organischen Materials von Bedeutung sind. Daneben stellt die Streuschicht einen wichtigen Schutzmantel für die Bodenlebewesen dar. Ohne ihre Tätigkeit entsteht kein Humus und ist kein Pflanzenwachstum denkbar, könnte also auch kein Gärtner erfolgreich ernten. Im Winter finden viele Tiere unter der Mulchschicht ein reiches Nahrungsangebot. Nach diesem Vorbild kann an vielen Stellen im Garten eine Mulchschicht den Boden bedecken.
 
Mulchen spart Arbeit und Geld
Mulchstroh

Das Mulchen hat gegenüber der herkömmlichen Bodenpflege viele Vorteile:

  • Der Boden wird vor Austrocknung und Verkrustung geschützt, Bodenerosion  wird verhindert.
  • Unter der Mulchschicht bleibt die Bodenfeuchtigkeit gleichmäßig erhalten.
  • Die Mulchschicht sorgt im Sommer wie im Winter für einen Temperaturausgleich.
  • Gartenbesitzer können durch Mulchen Wasser sparen, Bodenlebewesen und Pflanzen haben optimale Bedingungen.
  • Durch die rege Tätigkeit von Bodentieren und Mikroorganismen werden Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar.
  • Die Mulchschicht unterdrückt das Aufkommen unerwünschter Kräuter, und wo sich "Unkräuter" trotzdem ansiedeln, lassen sie sich leicht aus dem lockeren Boden auszupfen.
  • Die Bodenbearbeitung wird erleichtert. Wer im Garten mulcht, braucht nur noch in bestimmten Situationen zum Spaten zu greifen, evtl. bei sehr schweren Böden oder bei stark verkrauteten Flächen. Ist eine Bodenlockerung nötig, z.B. vor der Frühjahresbestellung, können anstelle des Spatens bodenschonende Geräte (Sauzahn, Grabegabel) eingesetzt werden (vgl. Zeichnung).
Naturnahe Bodenschichtung und Bodenbearbeitung

Boden mit Spaten gewendet, Mulch- und Rotteschicht begraben

Flache Bodenbearbeitung mit Grabegabel oder Sauzahn.
Nur Mulch- und Rotteschicht werden gemischt

Bodentiere und Mikroorganismen haben durch Mulchen optimale Bedingungen. Die Mulchschicht ist eine ständige Nährstoffquelle für die Bodenlebewesen. Durch ihre rege Tätigkeit werden Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar gemacht. Regenwürmer und andere Bodentiere sorgen durch ihre "Untergrundarbeit" für die Bodenlockerung. Organisches Material wird auf natürliche Weise eingearbeitet.

Geeignetes Mulchmaterial

Zahlreiche, in jedem Garten anfallende organische Materialien eignen sich zum Mulchen. Besonders geeignet sind unter anderem:

  • Rasenschnitt: Zur Vermeidung von Fäulnis antrocknen lassen, dann nur dünn auftragen und öfter ergänzen (gilt grundsätzlich für frisches bzw. saftiges Mulchmaterial).,
  • Gemüseabfälle, insbesondere Blätter von Kohl, Salat, Rhabarber u.a.,
  • Grober Kompost,
  • Gründüngungspflanzen: Bei den Leguminosen (Lupine , Bohnen, Erbsen u.a.) bleiben die Wurzeln im Boden. Die Pflanzen werden kurz über dem Boden abgeschnitten und zum Mulchen verwendet. Nach dem Abernten einer Kultur sollte man eine nicht winterharte Gründüngung als Nachsaat einsäen. Der Boden ist bewachsen, die Grünmasse friert über Winter ab und verbleibt als Mulchmasse auf dem Boden,
  • Beinwellblätter, die sich wegen ihres hohen Nährstoffgehaltes besonders gut eignen,
  • Zerkleinerter Heckenschnitt (junge, am besten einjährige Triebe),
  • Rindenmulch und Gehölzhäcksel: für Obst-, Beerenstrauchanlagen und Wege - aber nicht für die Gemüsebeete und Stauden,
  • Stroh (damit z.B. Erdbeerfrüchte trocken bleiben). Ansonsten wird bei der Verrottung von Stroh oder holzigem Material dem Boden Stickstoff entzogen. Somit sind diese Materialien nur bedingt geeignet,
  • Laub bildet unter Hecken und Bäumen eine natürliche Mulschschicht.

Mulchregeln

  • Im zeitigen Frühjahr wird bei feuchten und schweren Böden die restliche Mulchschicht vom Winter ca. eine Woche vor der Aussaat entfernt, damit sich der Boden erwärmen und abtrocknen kann
  • Erst nach der Bodenerwärmung mit einer Pflanzenhöhe von ca. 10 cm wird in Gemüsebeeten mit dem Mulchen begonnen
  • Grünes, saftiges Material antrocknen lassen und dann dünn auftragen, da sich sonst Schnecken ausbreiten können
  • Beim Aufbringen des Mulchmaterials dürfen keine Setzlinge oder Saatrillen abgedeckt werden. Ihr Keimen und Anwachsen würde ebenso gehemmt werden wie das der Wildkräuter
  • Mulchschicht nach Bedarf immer wieder erneuern
  • Bei der Zersetzung von strohigem oder holzigem Material entziehen die Mikroorganismen dem Boden Stickstoff. Dieser Stickstoffverlust muss dann durch stickstoffhaltige Zusatzdüngung (z.B. Hornspäne) ergänzt werden
  • Samentragende Pflanzen, Wurzelunkräuter wie z.B. Quecke und kranke Pflanzenteile nicht zum Mulchen verwenden!
Mulchbeet

Probieren lohnt sich!

Für viele Hobbygärtner ist ein gemulchtes Beet zunächst noch ein völlig neuer, ungewöhnlicher Anblick. Mancher wird das sogar als "unschön" oder "unordentlich" empfinden (obgleich das Verfahren der Ordnung in der Natur entspricht). Mulchen setzt also die Bereitschaft voraus, sich an das "neue Bild" im Garten zu gewöhnen. Und auch ein wenig Experimentierfreude gehört dazu. Deshalb unsere Anregung an alle, die bisher noch nicht gemulcht haben: Probieren Sie das Verfahren zunächst auf einer kleinen "Testfläche" - und vergleichen Sie diese Fläche dann mit anderen Bereichen.

Literaturtipp

STOUT, R. (1971): Mulch - Gärten ohne Arbeit. Wie man das ganze Jahr über problemlos mulcht,pala-Verlag, Schaafheim, 19,80 DM.

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