Französische Bauernweisheit
Le bon dieu, der Liebe Gott weiß, wie man fruchtbare Erde macht, und er hat sein Geheimnis den Regenwürmern anvertraut.

Regenwürmer sind die Baumeister fruchtbarer Böden, denn sie verbessern die Bodenstruktur. Sie leben in einer engen Symbiose mit einem Heer von anderen Klein- und Kleinstlebewesen, Bakterien und Pilzen. Diese sind im Verdauungstrakt der Regenwürmer ausschlaggebend an der Herstellung des Regenwurm-Humus beteiligt. Regenwurmwanderkasten

Leistungen der Regenwürmer

Regenwürmer

  • belüften den Boden,
  • verbessern die Wasserhaltefähigkeit (Schwammwirkung der Gänge),
  • verbessern die Bodenstruktur,
  • ermöglichen mit ihren Gängen den Wurzeln ein tieferes Eindringen in den Boden, erleichtern den Pflanzen damit die Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen,
  • durchmischen Bodenteilchen und tragen damit zur Bildung der wertvollen Ton-Humus-Komplexe bei, deren Nährstoffe auch von starkem Regen nicht ausgewaschen werden,
  • wandeln Gartenabfälle mit Hilfe von Mikroorganismen in Pflanzennährstoffe um. Wurmkot enthält siebenmal mehr Phosphat, elfmal mehr Kali, fünfmal mehr Stickstoff als die umgebende Erde.

So können Regenwürmer im Garten gefördert werden:

  • Keine Verwendung von chemischen Spritzmitteln. Mineralische Düngemittel nur gezielt nach Bedarf als Ergänzung zu organischen Düngern einsetzen.
  • Lockern und Lüften des Bodens mit einer Grabegabel statt mit einem Spaten schonen das Bodenleben und somit auch die Regenwürmer. Die Bodenschichten bleiben erhalten.
  • Flächenkompostierung, Mulchen und organische Düngung des Bodens versorgen Regenwürmer und andere Bodenlebewesen mit ausreichenden Mengen abgestorbenen, angerotteten, organischen Materials als Nahrung und halten zudem den Boden warm und gleichmäßig feucht.

Abfallbeseitigung durch Regenwürmer

Für die Kompostierung von Garten- und Küchenabfällen am besten geeignet ist der Mistwurm, der von Wurmzüchtern als "Tennessee Wiggler" oder "Roter Kalifornier" verkauft wird. Kompostiert werden alle organischen Küchenabfälle bis zum Kaffeefilter sowie alle krautigen Gartenabfälle und Früchte.

Kompostieren im Wurmwanderkasten

Ein Regenwurmwanderkasten ist eine Alternative zum Kompostkasten und findet im kleineren Format auch im Hinterhof oder auf einem kleinen Grundstück Platz. Ein Wurmwanderkasten stinkt nicht, benötigt wenig Platz und bietet Schutz vor Ratten und Mäusen.

Für einen Mehrpersonenhaushalt hat sich ein Kasten mit drei Kammern als günstig bewährt. Bei weniger Platz genügen auch zwei Kammern. Der Standort sollte halbschattig bis schattig sein.

Es wird zunächst ein ca. 60 - 70 cm tiefes Loch ausgehoben, der Boden begradigt und flächig mit Lochziegeln (Löcher senkrecht) ausgelegt. Die Ziegel verhindern Staunässe und schützen vor Wühlmäusen. Das Kompostmaterial hat Bodenkontakt, und bei Frost können sich die Regenwürmer durch die senkrechten Löcher in das Erdreich zurückziehen. Die äußeren Lochziegel müssen sorgfältig in die Waage gelegt werden, damit zu den darüber liegenden Brettern keine Ritzen entstehen.

Als nächstes baut man die Holzumrandung zu einem Kasten zusammen und lässt diesen dann in die Erde ein. Nun werden die Trennwand bzw. bei drei Kammern die Trennwände aus Lochziegeln gemauert (Mörtel = 3 Teile Sand, 1 Teil Zement und etwas Wasser). Hierbei müssen die Löcher horizontal liegen, damit die Regenwürmer zwischen den Kammern wandern können.

Da sich Kompostwürmer nur bei Dunkelheit bis in die oberen Schichten durcharbeiten, wird der Kasten dunkel abgedeckt. Die Abdeckung bietet gleichzeitig Schutz vor Austrocknung und Nässe sowie vor dem Eindringen von Ratten und Mäusen.

Kompostierung im Wanderkasten

Eine ca. 10 cm dicke Schicht organischer Abfälle wird in eine Kammer gefüllt und mit Gesteinsmehl überpudert. Kompostwürmer werden eingesetzt und laufend mit weiterem organischen Material gefüttert. Zwiebelschalen und Kaffeesatz sind für die Würmer eine Delikatesse. Die einzelnen Schichten werden hin und wieder mit Gesteinsmehl überpudert. Wenn viel Laub sowie strohige und holzige Abfälle mit in die Wurmkiste kommen, sollte etwas Horn- oder Knochenmehl zugesetzt werden. Kranke Pflanzenteile und kranke Früchte sollten nicht kompostiert werden.

Ist eine Kammer voll, wird damit begonnen, die zweite Kammer zu füllen. Wenn das Material der ersten Kammer von in Humus umgewandelt ist, werden die Tiere von dem Geruch des organischen Materials aus der zweiten Kammer angezogen und wandern durch die Lochziegel in diese Kammer. Je nach Größe der Kammer kann man nach 6 - 10 Monaten den fertigen „Wurmkompost" ernten. Dieser Kompost ist besonders nährstoffreich. Deshalb wird er nur dünn auf den Gartenboden verteilt und eingeharkt.

Eine Wurmtonne bauen

In den Boden und in einer Höhe bis zu 40 cm einer alten Mülltonne (die mit leichten Defekten bei den Abfallämtern oft kostenlos zu erhalten ist) rundherum ca. 10 mm große Löcher bohren. Kurz vor dem oberen Rand der Tonne noch eine Reihe Löcher bohren und diese Tonne dann ca. 50 cm in die Erde eingraben. Eine zweite Tonne nach dem gleichen Prinzip kann direkt daneben eingegraben werden.

Dies ist ein ähnliches Verfahren wie ein Wurmwanderkasten, hat aber den Vorteil, dass sich die Tonne mit zwei Personen herausheben und problemlos rückenschonend entleeren lässt.

 

Literaturtipp

BUCH, W. (1986): Der Regenwurm im Garten.
Ulmer-Verlag, Stuttgart

Bezugsquelle für Kompostwürmer

  • C. Schepansky, Lippkampstr. 30, 44594 Lünen.
  • Regenwurmfarm Kotten am Klosterdiek, Theo Tacke, Klosterdiek 61, 46325 Borken-Burlo, Tel. 02872/2066, Fax /8240.
Impressum
© NUA Stand: 14.11.2000 - Ö/K/O/M (mst, kga )